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Was bedeutet DIN 66084

DIN 66084 ist eine deutsche Norm, welche das Brandverhalten von Polstermöbeln in öffentlichen Bereichen klassifiziert.

Bei dem Test wird bewertet, wie schwer entflammbar ein Möbelstück ist. Dies ist wichtig, um die Sicherheit im Brandfall zu erhöhen. Viele Brandschutzbeauftragte fordern schwer entflammbare Möbel, die nach B1 zertifiziert sein müssen.

Warum gibt es für Möbel eigentlich kein „B1“?

Oft wird nach Möbeln mit einer B1-Zertifizierung gefragt. Dies ist jedoch streng genommen ein Missverständnis.

1. Prüfschacht-Problem: Die deutsche Norm DIN 4102 (B1) ist eigentlich für Baustoffe gedacht. Bei der Prüfung müssen die Materialien in einen speziellen Versuchsschacht hineinpassen. Ein komplettes Möbelstück findet darin schlichtweg keinen Platz. Man kann zwar den Stoff einzeln testen, aber nicht das ganze Möbel.

2. Ein Möbelstück besteht aus mehreren Materialien: Ein Sessel wird nicht nur aus einem Stoff hergestellt. Er ist ein Verbund aus Holz, Metall, Polsterschaum und Bezug. Selbst wenn jedes Teil für sich allein schwer entflammbar (B1) wäre, sagt das nichts über das fertige Möbelstück aus.

3. Gefährliche Wechselwirkungen: Materialien können im Feuer miteinander reagieren. Denn ein Stoff, der alleine nicht brennt, kann in Verbindung mit einem bestimmten Schaumstoff plötzlich wie ein Docht wirken. Man spricht hier vom sogenannten Docht-Effekt. Besonders riskant ist es, wenn B1-Materialien mit normal entflammbaren B2-Stoffen gemischt werden. Das Brandschutzverhalten kann sich dadurch massiv verschlechtern.

Die Lösung: Statt der Baustoffnorm B1 sollten bei Möbeln die speziellen Polstermöbelnormen (wie DIN 66084 oder EN 1021) herangezogen werden. Diese prüfen das Möbelstück als Ganzes und bieten so echte Sicherheit im Brandfall.

Polstermöbel, die nach DIN 66084 getestet werden, lassen sich in drei verschiedene Stufen aufteilen:

Die höchste Klassifizierung ist DIN 66084 P-a:

Für diese Zertifizierung wird der Papierkissentest der DIN 54341 genutzt. Hierbei wird eine brennende Zeitung oder auch ein brennendes Papier auf der Sitzfläche nachgestellt. Dafür legt man ein genormtes 100-g-Papierkissen auf das Sitzpolster und zündet es an allen vier Ecken an. Ein Test gilt als bestanden, wenn die Flamme die Oberkante der Rückenlehne um nicht mehr als 45 mm überragt. Außerdem dürfen die Armlehnen beziehungsweise die Kanten der Polsterflächen von den Flammen nicht erreicht werden. Zusätzlich muss der Polsterverbund eigenständig nach 15 Minuten erloschen sein. 

Wenn all diese Anforderungen erfüllt worden sind, weisen diese Möbel ähnliche Brandeigenschaften auf, wie Materialien, welche nach DIN 4102 als "B1 - schwer entflammbar" klassifiziert worden sind. Dadurch sind sie in B1-Bereichen grundsätzlich geeignet.

Sprechen Sie trotzdem unbedingt mit Ihrem Brandschutzbeauftragten, bevor Sie Möbel bestellen. Denn dadurch können Sie sicher sein, dass diese auch wirklich in dem dafür vorgesehenen Bereich stehen dürfen.

Hier ist ein Sitz-Traversen-Beispiel in DIN 66084, Klasse P-a.

Die mittlere Klassifizierung ist DIN 66084 P-b:

Der Aufbau für diesen Versuch gleicht dem der folgenden niedrigsten DIN 66084 P-c Klassifizierung. Das bedeutet, ein Sessel wird simuliert, indem zwei Proben des Polsterverbunds in einem rechten Winkel zueinander aufgestellt werden. Hierbei ist eine 35 mm hohe Butanflamme die Zündquelle. Diese simuliert ein brennendes Streichholz. Der Polsterverbund darf nach 15 Sekunden direktem Flammenkontakt nicht anfangen zu brennen. Damit der Test als bestanden gilt, muss das Feuer nach spätestens zwei Minuten komplett erloschen sein. Zudem dürfen die Flammen die Kanten der Polsterprobe nicht erreichen oder sich mehr als 100 mm von der Zündquelle entfernt ausbreiten. 

Die niedrigste Klassifizierung ist DIN 66084 P-c:

Um diese Zertifizierung erhalten zu können, muss das Möbelstück den Zigarettentest bestehen. Dafür wird, wie oben bereits erwähnt, auch ein Sessel simuliert, indem zwei Proben des Polsterverbunds in einem 90-Grad-Winkel zueinander angeordnet werden. Nun wird eine brennende Zigarette auf das Polster gelegt. Dabei steht diese im direkten Kontakt zum Sitz und der Lehne. Das Zertifikat DIN 66084 P-c darf ausgestellt werden, wenn der Polsterstoff nach einer Stunde weder glimmt noch brennt.

Für welchen Bereich sind Möbel nach DIN 66084 geeignet oder vorgeschrieben?

Im Allgemeinen verfolgen die Möbel nach dieser deutschen Norm ein Ziel, und zwar den Brandschutz in Gebäuden zu verbessern. Weiterhin sollen sie im Brandfall dazu beitragen, dass durch die Flammen und den dadurch entstehenden Rauch keine Fluchtwege versperrt werden. Möbel, welche nach den Kriterien von DIN 66084 P-a, also der höchsten Klassifizierung, gebaut werden, entsprechen der höchsten Brandschutz-Ausstattung, die für die Eigenschaften von Polstermöbeln erzielt werden kann. Da die Auswahl an Möbeln in diesem Bereich sehr groß ist, passen sie sowohl in Konferenz- und Besprechungsräume als auch in Flure und Wartebereiche. Dabei stehen sie Standard-Einrichtungsgegenständen optisch nicht nach. Denn das Design von zum Beispiel Loungemöbeln kann erhalten bleiben, da hier lediglich spezielle, brandschutzgeprüfte Bezugs- und Polsterstoffe verarbeitet werden.

Einsatzbereiche von Brandschutzmöbeln nach DIN 66084

Spezialmöbel, die der DIN 66084 entsprechen, zeichnen sich durch ihre schwer entflammbaren Eigenschaften aus. Während Unternehmen sie theoretisch überall einsetzen können, sind sie in bestimmten Zonen nicht nur sinnvoll, sondern oft gesetzlich vorgeschrieben.

Wo sind diese besonderen Möbel wichtig?

  • Flucht- und Rettungswege: Hier ist der Einsatz zwingend, um die Wege im Ernstfall rauchfrei und passierbar zu halten.
  • Öffentliche Bereiche: Wartezonen, Empfangshallen und Eingangsbereiche unterliegen oft strengen Brandschutzauflagen.
  • Versammlungsstätten: Konferenzräume und Säle mit vielen Menschen.
  • Behördliche Anordnung: Überall dort, wo Brandschutzprüfer oder lokale Baubehörden spezifische Vorgaben stellen.

Der entscheidende Sicherheitsvorteil

Der Fokus liegt nicht nur auf der Vermeidung von Feuer. Im Brandfall verzögern diese Möbel die Flammenausbreitung und minimieren die gefährliche Rauchgasentwicklung enorm. Da Rauchvergiftungen statistisch gesehen die häufigste Todesursache bei Bränden sind, gewinnen Rettungskräfte und Flüchtende durch diese Möbel lebenswichtige Zeit. 

Ästhetik trifft Sicherheit

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Brandschutzmöbel klobig oder unästhetisch wirken. Das muss jedoch nicht so sein.

  • Unsichtbarer Schutz: Man sieht den Polstermöbeln ihre brandhemmenden Eigenschaften nicht an.
  • Vielfältige Formen und Farben: Dank moderner Materialien gibt es eine riesige Auswahl an Designs, die sich nahtlos in jede Corporate Identity oder Raumgestaltung einfügen.
  • Großes Sortiment: Von Polstermöbeln bis zu Tischen ist die Auswahl genauso üppig wie bei herkömmlichem Inventar.

Fazit: Brandschutzmöbel nach DIN 66084 vereinen lebensrettende Funktionalität mit modernem Objektdesign, ohne dass optische Abstriche gemacht werden müssen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer feuerfesten Möbel.

Ob das gewünschte Möbelstück in Ihrer Einrichtung stehen darf, richtet sich nach Ihrem zuständigen Brandschutzbeauftragten. Denn die Genehmigung ist vom jeweiligen Bundesland und dem Entscheider abhängig. Es gibt also keine einheitliche Regelung, ob zum Beispiel ein bestimmtes Möbelstück in Berlin oder in Stuttgart stehen darf!

Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Brandschutzbeauftragten oder der Feuerwehr. Wir können Ihnen im Vorfeld alle notwendigen Zertifikate zusenden.

Haben Sie Fragen oder wünschen Sie eine Beratung? Kontaktieren Sie uns gerne.